59 schöne und seltene Adjektive der deutschen Sprache

59 schöne und seltene Adjektive der deutschen Sprache

Diese Wörter sind Juwelen unserer Sprache. Das jedenfalls ist meine Meinung. Und wie echte Steine zeigt man sie nur selten. Man präsentiert sie zu besonderen Anlässen.

Diese Adjektive waren schon mindestens einmal im Einsatz. Doch wirst du sie wahrscheinlich nie in Büchern oder Zeitungen finden. Dazu sind sie einfach zu selten. Es sei denn, der Zufall hilft. Oder die eine oder andere Wortschönheit erlebt eine überraschende Renaissance.

Schöne Wörter Bücher Eine Bibliothek der schönen Wörter … Ja, es gibt sie noch, die schönen Wörter. Begriffe mit dem besonderen Klang. Wörter, die Sehnsüchte und Erinnerungen in uns hervorrufen. Die Welt von damals, sie ist noch vorhanden. Erinnerungen an Altes und längst Vergessenes. Was verloren ging, ging nie ganz, die Sprache bewahrt es für uns. Hier ist eine wunderfrohe Blütenlese in Buchform mit den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Jetzt ansehen

Diese Wörter sollen dem Motto dieser Website nach entsprechend schön sein. Zumeist verfügen sie über eine geradezu typische Bildhaftigkeit. Aber sie sind nicht zwingend alt. Hier gibt es auch moderne Vertreter ihrer Gattung. Hier habe ich keinen Unterschied gemacht.

Meist beschreiben sich diese Wörter bereits ausreichend selbst. Das funktioniert, weil es sich immer um Zusammensetzungen handelt. Vollständig neue Wörter wären ohne Erläuterung unverständlich. Siehe auch:

Liste mit schönen und gleichzeitig seltenen Adjektiven

Hier sind sie in alphabetischer Reihenfolge ohne besondere Wertung nach persönlichem Geschmack und Kenntnis. Von den meisten Wörtern hörte ich zuvor nie … dabei sind sie keineswegs fremd.

  1. abendmatt (… welche abendmatt in den Wogen untergeht … Die Rede hier bei Jean Paul Richter 1763 – 1825 ist von der Sonne)
  2. adventsgemütlich (mit Kerzenschein und Keksen in der Stube)
  3. adventsselig
  4. angstverzweifelt
  5. bettselig
  6. buntwimmelnd
  7. eistänzerisch (in der Art einer Eistänzerin)
  8. fabelschön
  9. flitterschimmernd
  10. flussverliebt (eine Flussschiffahrtsgesellschaft wirbt mit dem Begriff)
  11. flügelweich
  12. frühfrostfahl (vom Dichter Rilke 1875 – 1926 erfunden)
  13. frühlingshold
  14. geldklebrig (das können sein Diebesfinger oder Bettlerhände)
  15. glücksfröhlich
  16. glutdurchbebt
  17. heißwütig
  18. herbstbegeistert
  19. herbstverhangen
  20. herzbeseelt
  21. himmelweich (im Sinne von himmlisch weich)
  22. hundsgrob (eine Steigerungform, bedeutet so viel wie: hundsgemein grob; das Wort verwendete Karl Marx in einem Brief an Friedrich Engels)
  23. hutlustig (Spaß Huttragen haben; in dem Sinne wie reiselustig oder abenteuerlustig)
  24. kirschprächtig
  25. kitzelgeil
  26. kronengolden (golden wie eine Krone)
  27. lenzbegeistert (vom Frühling in Stimmung gebracht)
  28. lustbeglückt
  29. mondbesessen
  30. mondversessen
  31. morgenheiter (morgenheiter und hell, ruht es im himmlischen Glanz … aus einem Gedicht von Johann Meyer 1829-1904. Die Rede ist vom Meer)
  32. morgensanft
  33. nachtblass
  34. nachtbleich
  35. pflaumendunkel
  36. rätselraunend
  37. regenverdrossen
  38. schattenmild
  39. schimmerfroh
  40. schlafbequem
  41. schneevergnügt
  42. seelenfrisch
  43. sehnsuchtsblass (und den Mund, den sehnsuchtsblassen … Rilke)
  44. silberstill (an silberstillen Teichen … Rilke)
  45. sommerfröhlich
  46. sonntagsmild(e)
  47. stern(en)begeistert
  48. stillschimmernd
  49. stillverliebt (auf eine schweigende Weise verliebt seiend)
  50. tagtraumverloren (tief versunken in einen Tagtraum)
  51. tempelstumm (klosterstumm wäre ähnlich, für dieses Wort habe ich jedoch keinen Beleg gefunden)
  52. traumbesoffen
  53. traumverrückt
  54. traumverzaubert
  55. übermuttrunken
  56. waldestrunken (deftiger ausgedrückt hieße es: waldbesoffen)
  57. weihnachtsvernarrt
  58. winterfröhlich
  59. wutquietschend (dieses Wort benutzte Hermann Löns in seinen Tiergeschichten)
  60. wutrasend
  61. zuckerlustig

Hier geht es zu Teil 2: 59 seltene bildhaft schöne Adjektive der deutschen Sprache … Teil 2

Schöne und seltene Adjektive in der Literatur

Die rheinischen Mädchen aber, selber viel zu glücksfröhlich, ließen sich den Übermut des hübschen und immer sprühenden Burschen ohne viel Aufhebens gefallen, da er doch überdies der beste Freund ihrer lieben Freunde war, und die Freunde selbst, die Tillmann, Grüters und Broich, nahmen sein lustiges Wildern, das immer in den Grenzen des Knabentollens blieb, als eine schickliche Gelegenheit, besonders warm für ihre Schützlinge einzutreten und sichernd den Arm um ihre Schultern zu ziehen.

Rudolf Herzog: Die Buben der Frau Opterberg, 1920

Mein Lied ist noch nicht aus.
Nein, schimmerfroh und heiß
läuft es mir durchs Feld,
soweit ich´s mit mir trage –
mein Sommerlied,
das nichts vom Herbste weiß.

Silja Walter (1919-2011): September

Die Abendwinde regen ihre Flügel,
Sie kosen mit den Blumen stillverliebt.
Die Träume kommen, jeden Schmerz zu mildern.
Und gern verstummt vor ihren bunten Bildern,
Wer tagesüber klagte tiefbetrübt.

Carl Ferdinand Dräxler: Gedichte,  1848

Werkstattbericht

Lektorat (Teaser): K. Das Beitragsbild stammt aus dem Fundus von Pixabay. Die verwendeten Google Fonts sind BenchNine und PT Sans. Recherche via Google und Google Book Search, Büchern, in der Fantasie und alten Texten.