59 seltene bildhaft schöne Adjektive der deutschen Sprache … Teil 2

59 seltene bildhaft schöne Adjektive der deutschen Sprache ... Teil 2

Die Magie der Sprache liegt in ihren Begriffen. Ein Adjektiv kann das Herzstück eines Satzes darstellen oder an seinem Rand verweilen. Ein Begriff kann autonom existieren und allein durch seine Präsenz etwas vermitteln: Emotionen, Visionen, Tatsachen, Erkenntnisse.

Diese Adjektive sind nicht Produkt meiner Vorstellungskraft, sie sind nicht meiner Kreativität entsprungen. Sie sind mir in Literatur und Schriften begegnet. Literaten und Schreiber haben sie geschaffen und zumindest einmal niedergeschrieben, sodass ich auf sie stoßen konnte.

Schöne Wörter Bücher Eine Bibliothek der schönen Wörter … Ja, es gibt sie noch, die schönen Wörter. Begriffe mit dem besonderen Klang. Wörter, die Sehnsüchte und Erinnerungen in uns hervorrufen. Die Welt von damals, sie ist noch vorhanden. Erinnerungen an Altes und längst Vergessenes. Was verloren ging, ging nie ganz, die Sprache bewahrt es für uns. Hier ist eine wunderfrohe Blütenlese in Buchform mit den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Jetzt ansehen

Unter ihnen finden sich regelrecht antike Ausdrücke, aber auch zeitgenössische und solche, die vielleicht nur einmal ihren Weg in die Schrift fanden (so genannte Gelegenheitsbildungen). Wie oft sie tatsächlich verwendet wurden, ist schwer zu sagen. Denn ein universales Suchwerkzeug, das jegliche Schriften aus allen Epochen und Quellen durchforstet, existiert leider nicht.

Literarischer Reichtum, Sprachliche Juwelen, Verbale Kostbarkeiten, Sprachkunst, Wortkreationen, Literarische Inspiration.

Liste mit selten verwendeten und gleichzeitig schönen Adjektiven

In alphabetischer Reihenfolge ohne Wertung nach Geschmack und guter Laune sortiert.

  1. abendstumm (schweigend am Abend)
  2. abendwarm
  3. angstlahm (sich aus Angst langsam bewegend)
  4. blassdunstig (kann der Himmel sein, zum Beispiel am frühen Morgen)
  5. duftfrisch (duftet nach Frische)
  6. duftschwül (feuchtwarme Luft mit Gerüchen durchtränkt)
  7. dunkelmütig (düsteren Gemüts)
  8. eiferglühend (Steigerung zu oben, kommt etwas häufiger vor)
  9. eiferwarm (eine vor Eifer erwärmte Haut)
  10. frühgealtert
  11. glattgeschwitzt (glattgeschwitzte Haut)
  12. glücksnärrisch (verrückt vor Glück)
  13. goldbetupft (goldenen Tupfen habend)
  14. greisgrau (alt und grau)
  15. grünfrisch (ein Frühlingswort, gut geeignet für Blumenhändler)
  16. herbstschäumend (von einem Fluß gesagt)
  17. hippenbübisch (nach Art eines Hippenbuben, schmähsüchtig, lästernd. Hippen waren früher ein Gebäck, es ähnelte dem Teig einer Eiswaffel.)
  18. kaiserselten (seitdem wir keinen Kaiser mehr haben, ist die Bedeutung des Wortes ein wenig zurückgegangen)
  19. knittergesichtig (ein faltiges Gesicht)
  20. kuchensüß (süß wie Kuchen)
  21. kühlrauschend (ein Bach im Sommer)
  22. latschbeinig (Latschbeine habend, zum Beispiel ein latschbeiniger Mensch; latschbeinige Vögel gibt es auch. So steht es im Grimm – jemand mit schlürfendem, nachlässigem Gang)
  23. laubstark (ein Herbstwort, ein laubstarker Tag ist ein Tag mit viel Laub, oder ein Baum, der in Sachen Laub ergiebig ist …)
  24. lenzduftend (riecht nach Frühling)
  25. lenzlustig (Spaß am Frühling habend)
  26. lenzverträumt (frühlingsverträumt)
  27. lichtfünkchenklein (winzig und gleichzeitig hell)
  28. mausscheu (scheu wie eine Maus)
  29. meerhauchfeucht (noch zarter als nebelfeucht)
  30. mondentrückt (in weiter Ferne, erdfern)
  31. mondsichelscharf (scharf wie eine Mondsichel)
  32. morgenlächelnd (von einem Menschen, der am Morgen lächelt)
  33. nachmittagsstill (still wie an einem Nachmittag an dem nichts passiert)
  34. nachmittagsstumm (stumm wie an einem Nachmittag)
  35. nachtverschlafen (noch müde)
  36. nachtversunken (vollständig in der Nacht aufgegangen, in ihr verschwunden)
  37. nachtverträumt (in nächtlichen Träumen und Fantasien lebend)
  38. regensüß (nach Paul Celan)
  39. rotzfaul
  40. sattschimmernd (üppig schimmernd)
  41. schaumnaß (von Wasser und Schaum zugleich benetzt)
  42. schmiededunkel (fand ich bei Heinrich Heine)
  43. schneebeglitzert (Landschaft, Äste, Bäume, alles worauf Schnee fallen kann, kann schneebeglitzert wirken, wenn die Sonne scheint)
  44. schneevermissend (sich nach dem gefrorenen Himmelsnass sehnen)
  45. schütteldumm (eine so große Dummheit, dass man darüber den Kopf schütteln muss oder weil man die dumme Person ihrer Dummheit wegen durch Schütteln zur Besinnung bringen möchte)
  46. sockenleise (jemand, der so leise ist, als wäre er auf Socken unterwegs)
  47. sommervergnügt (Freude und Spaß am Sommer habend)
  48. sommerverträumt (Zustand in dem man in Gedanken, Fantasien und Träumen dem Sommer nachhängt)
  49. sonntagslahm (ein kraftloser, müder, beinahe gelähmter Zustand wie er typisch ist für einen Sonntag)
  50. sonntagsschwer (auch so kann man sich an einem Sonntag fühlen, der Körper mag sich nicht bewegen, denn er ist sonntagsschwer)
  51. spaziermüde (müde vom Spazierengehen)
  52. spatzenfrech (frech wie ein Spatz, kommt tatsächlich eher selten im schriftlichen Gebrauch vor)
  53. sterndurchblitzt (der nächtliche Himmel, möglicherweise auch der Verstand)
  54. sternüberglänzt (der nächtliche klare Himmel)
  55. stillsonnig (ein ruhiges Plätzchen im Sonnenschein zum Beispiel ist stillsonnig)
  56. stillwinterlich
  57. stubenfarbig (blass, Hautfarbe von jemandem, der sich viel drinnen aufhält)
  58. tannendüster (dunkel wie im Wald)
  59. traumberückt (verzaubert von Träumen)
  60. traumgesättigt (vollständig erfüllt von Träumen)
  61. traumsatt (vollständig erfüllt von Träumen)
  62. waldvergessen (geistig völlig im Wald aufgehen, mit den Sinnen vollständig eintauchend das Ich vergessend. Ja, so kanns einem gehen im Wald.)
  63. winterverschlafen (noch müde, träge, einsam, wenig Bewegung in der gefrorenen Winterszeit)
  64. wunderzierlich

Seltene schöne Adjektive in der Literatur

Dieser Ostersonntag war so klar und hell, so wolkenlos, lenzduftend und wunderbar schön, dass alles frühere schlechte Wetter in einem Augenblick aus dem Gedächtnis schwand.

Charles Dickes: Bilder aus Italien, 1846

Trinke Wein, mein Kind, und freue dich.
Lenzlustig ist die Welt.
Siehst du denn nicht, wie jeder Baum
Tausend helle Becher voll Duft und Schaum
Zum hohen Himmel hält?

Otto Julius Bierbaum: Nemt, Frouwe, Disen Kranz (Gesichte), 1894

Als ich als junger Bursche aus der Fremde wiederkam, ging Marie zur Fabrik. Der blonde Zopf war aufgebunden, die Backen hatten ihre blinkende Farbe weiß Gott wo versteckt, das Lachen ließ sich nur kaiserselten hören, aber die Gewalt in den Augen war noch immer da, eher stärker als früher.

Querschläger, Oskar Wöhrle, 1916

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Werkstattbericht

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