79 alte und spaßige Schimpfwörter aus dem Grimmschen Wörterbuch

79 alte und spaßige Schimpfwörter aus dem Grimmschen Wörterbuch

Schimpfwörter, die hatten wir doch schon einmal. Alte Sachen nämlich von vor fast 200 Jahren. Aber sehr gefragt. So sehr, dass ich mich berufen fühle, eine Fortsetzung zu präsentieren. Hier ist sie.

Diese Scheltwörter stammen nicht aus demselben Buch, sondern diesmal aus dem Giganten der deutschen Literatur, dem traditionellen vielbändigen Grimmschen Wörterbuch, dem DWB (Deutsches Wörterbuch). Ich habe es auf Schimpfwörter hin durchgesehen und einen Schwung interessanter Ausdrücke gefunden.

Schöne Wörter Bücher Eine Bibliothek der schönen Wörter … Ja, es gibt sie noch, die schönen Wörter. Begriffe mit dem besonderen Klang. Wörter, die Sehnsüchte und Erinnerungen in uns hervorrufen. Die Welt von damals, sie ist noch vorhanden. Erinnerungen an Altes und längst Vergessenes. Was verloren ging, ging nie ganz, die Sprache bewahrt es für uns. Hier ist eine wunderfrohe Blütenlese in Buchform mit den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Jetzt ansehen

Jenseits von Hochkultur und Schönwörterei hatten die Brüder Grimm auch einen Sinn für die deftigeren Seiten des Lebens und der Sprache. Es folgt ein mehr oder weniger brachialer Schimpfkatalog heute durchaus noch verständlicher Beleidigungen – von Ausnahmen abgesehen. Die klingen gut! Den Spaß darf man sich gönnen. Siehe auch:

Eine Auswahl von Schimpfwörtern aus dem Grimmschen Wörterbuch

Alphabetisch sortiert. Die Bedeutung, Anwendung oder Herleitung konnte ich nicht in allen Fällen ermitteln.

  1. Dicksack (wie Fettsack, aber netter)
  2. Donneraas (Aas ist eigentlich ein Kadaver, es wird auch heute noch zum Beschimpfen verwendet)
  3. Donnerhagelsaas (Hexe, Donnerhexe)
  4. Donnerhure
  5. Donnermaul (Läster- oder Schandmaul)
  6. Donnerschelm (“Du Schelm, du Erzschelm, du Sternschelm, du Strahlschelm, du Donnerschelm!” Floretto, 1834)
  7. Drachenschnauze
  8. Dreckbankert (Bankert = uneheliches Kind)
  9. Dreckschlund
  10. Drecktrantscherin (jemand, der im Dreck herumpatscht)
  11. Dreckwanst (wie Drecksack)
  12. Erzknicker (Geizhals, Knauserer. “Erz” dient der Verstärkung, wie in Erzlump oder Erzlümmel)
  13. Furzklemmer (ein Geizhals größter und kleinlichster Art)
  14. Furznickel (einer der viel furzt, ein Furzer)
  15. Galgenrabe (wie Galgenvogel)
  16. Garsthammel (unflätiger Mensch)
  17. Gauchmatz (ein Gauch ist ein Kuckuck, hat aber mehrere andere alte Bedeutungen, etwa Narr oder betrogener Ehemann (Hahnrei). Matz ist die Koseform von Matthäus oder Matthias, ähnlich wie Hans von Johannes kommt.)
  18. Gesäßleinfartzer (für einen alten Mann)
  19. Gienlöffel (wie Maulaffe, auch Gienaffe und Gienmaul gab es. Wohl von “gähnen” abgeleitet)
  20. Gießkannenscheißer
  21. Glotzkopf
  22. Gnatzkopf (um einen eckigen, launigen, eigensinnigen und unverträglichen Charakter zu bezeichnen)
  23. Gockelmann (Hanswurst, Narr, abgeleitet von Gaukelmann, Gaukler)
  24. Grabenscheißer
  25. Grasmückenkönig
  26. Grillenfänger (einsamer Kauz, Querkopf, Sonderling, kann aber auch einen trüben, missstimmenden, beunruhigenden, verdrießlichen, sorglichen, seltsamen, wunderlichen, seinen Gedanken nachhängenden Menschen meinen)
  27. Grillenscheißer (derb für Possenreißer)
  28. Grindkopf (mürrischer Mensch)
  29. Grobschnauze (um eine grobe Redeweise zu tadeln)
  30. Grobzeug (Pack, Gesindel)
  31. Hagelmaul (wie Donnermaul, Wettermaul. Letzterer Begriff steht sogar noch im Duden, und zwar in der Bedeutung von Läster- oder Schandmaul)
  32. Kappenknecht (Mönch)
  33. Klunkerfuchs
  34. Klunkerhammel (schmutzige Frau; mit Klunker sind die Kotklümpchen im Fell eines Schafes gemeint)
  35. Knasterbart (alter Mann, Brummbart)
  36. Knotenfürzelein (Knirps, Bübchen)
  37. Knüttelbär
  38. Kotvogel (wie Kackvogel)
  39. Kotzensohn (wie Hurensohn)
  40. Krautkönig
  41. Krautkopf (Dummkopf)
  42. Küchenlumpen (Koch, Köchin, Sudelkoch)
  43. Lastersack (für einen lastervollen Menschen)
  44. Lauershals (für einen listigen oder gewalttätigen Menschen)
  45. Lügendrüssel (wie Lügenkehle, Lügenschnauze, Lügenhals, Lügenmaul, Lügenschlund)
  46. Mäusekopf, Mausekopf (Spitzbube, Dieb. Oder im Scherz, ein listiger Mensch, der gern etwas heimlich wegmaust)
  47. Nudeldrücker (Knauerer, Geizhals; einer, der den Teig durch die Nudelform drückt)
  48. Rotzaffe (meist für ein Kind, wie Rotzlöffel, auch Rotzbube, Rotzjunge, Rotzbursche, Rotznase, Rotzkolben, Rotzfisch, Rotzling )
  49. Rotzbart (ein Mensch mit einem mit Rotz beschmiertem Bart, auch von Kindern gesagt)
  50. Rotzmaul (wie Rotznase)
  51. Rotzposaune (kleines Kind)
  52. Rumpeltopf (gemeint ist ein altes Weib)
  53. Rumpelzaubertasche (alte Hexe)
  54. Rußhammel (für eine schmutzige, unreinliche Person, besonders für einen Koch oder eine Köchin)
  55. Schandbube (schändlicher Perverser)
  56. Schandhure
  57. Säckelfeger (Verschwender)
  58. Saubalg (säuischer hässlicher Balg; Balg = unartiges Kind. Kann früher aber auch eine unzüchtige Frau oder Magd gemeint haben. Darum auch Schandbalg und Hurenbalg)
  59. Saubesen (für einen schmutzigen, gemeinen Menschen. Mit dem Saubesen wurde der Dreck im Schweinestall zusammengefegt)
  60. Scharrhals (Geizhals)
  61. Schelmenmaul (Schandmaul)
  62. Schlummerbalg (für einen Menschen, der fortwährend schläft)
  63. Schmachthund (gieriger, ausgehungerter Mensch)
  64. Schmutzhammel (schmutziger Mensch)
  65. Schmutzigel (schmutziger Mensch)
  66. Schmutzkübel (für eine fette, einem Kübel verglichene Person)
  67. Schnappermaul ( für eine schwatzende Person, besonders ein schwatzhaftes Mädchen)
  68. Schneidermamsell (ursprünglich gemeint war ein Mädchen, das in Familien schneidern ging)
  69. Schwappelwanst (Fettwanst. Es gibt außerdem zumindest noch den Fresswanst, Geizwanst, Hammelwanst, Schlappwanst, Speckwanst, Schmierwanst, Saufwanst oder den Großwanst)
  70. Siebendick (dick wie sieben Leute)
  71. Spaßhammel (jemand, über den man sich lustig macht)
  72. Speckbube, Speckvogel (Bauernfänger, Gauner)
  73. Speckfink (Adeliger)
  74. Stadtfratze (Stadtbewohner, Städter)
  75. Stadtklatsche (klatschsüchtige Person, welche Neuigkeiten durch die ganze Stadt trägt)
  76. Stänkermatz
  77. Trumpe (faule, alte Frau)
  78. Trompel (dicke, kurze, plumpe, ungeschickte, liederliche Frauensperson)
  79. Wamperling (dicker Mensch)
  80. Weißschnabel (ein junger vorlauter Mensch, wie Grünschnabel)

Wenn dir das zu bunt war, hier sind die hässlichsten Farben der Welt in 41 Beispielen

Scheltworte in der Literatur

Was ich alter Knasterbart an Ihnen abkucke, ist just kein Fressen fürs junge naschhafte Mädel.

FriedrichSchiller: Kabale und Liebe, 1784

Der erste Geistliche des Orts, so wie viele andere Bekannte baten den jungen Brausekopf um des Himmelswillen, ein so rasendes Unternehmen zu unterlassen, jedoch vergebens.

Hermann von Pückler-Muskau: Briefe eines Verstorbenen, 1831

Aber freilich, die Herren Feuer- und Schwert-Apostel waren von jeher unausstehliche, selbstsüchtige Grillenfänger, die für ihre Rechthaberei und Verfolgungssucht keinen glänzernden Deckmantel finden konnten, als die Aufrechthaltung der Ehre Gottes, oder der – reinen Lehre.

Friedrich Christian Laukhard: F. C. Laukhards Leben und Schicksale, 1792

Du Teufelshure, du Donnerhure, du leichtfertige Hure, du ehrvergessene Hure, du Schandhure, hab ich das um dich verdient, daß du mein adelichen Hof so beschimpfst? Du bist ein Hurkind und trägst ein Hurkind und bleibst ein Hurkind, ich hab es wohl gedacht und mein Engel hat mirs eingegeben, daß nichts Gutes an dir ist. Du Diebshure, du henkermäßige Hure, du Sternhure, du Galeerenhure, ich wollte, daß ich dir die Augen wie eine Katze aus dem Kopf herauskratzen könnte, du Blitzhure. Schere dich fort, geheie dich hinweg, ich scheiße dir in dein Kostgeld hinein, du zerrupfte Hure. Ich mag dich nicht ansehen, ich will dich nicht ansehen, ich kann dich nicht ansehen. Du bringst mich in Schimpf, machst mir eine übele Nachrede und verkleinerst mein Lob unter den Leuten. Du Gifthure, du Bubenhure, du Strahlhure, ich wollte, daß dich der Teufel holte. Du Bettlershure, geh weg, geh weg, packe dich hinaus, das Tor steht offen. Du verhurte Hure, du Kommißhure, du Teufelshure.

Johann Beer arbeitet sich an dem Wort Hure ab: Der neu ausgefertigte Jungfer-Hobel. Es handelte sich auch damals schon um eine Satire, erschienen 1681

Werkstattbericht

Das Beitragsbild stammt aus dem Fundus von Pixabay, hier und hier. Die verwendeten Google Fonts sind BenchNine und PT Sans. Recherche via Google und im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm.