Schelm … 53 fabelhaft verwegene Wörter

Schelm ... 53 fabelhaft verwegene Wörter

Unter einem Schelm verstehen wir heute jemanden, der gern Späße treibt und die Leute neckt. Ein Spaßvogel eben. Früher hatte das Wort eine andere, schärfere Bedeutung.

Es stand nämlich für den Schurken, den Schuft oder Betrüger. Ein Bedeutungswandel, der sich über Jahrhunderte entwickelt hat. In den Wörtern mischt sich das, neigt sich mal dem Einen, mal dem Anderen zu.

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Eine bekannte Redensart geht so: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Man liest es häufig. Ursprünglich gemeint war aber nicht der neckische Spaßvogel, sondern ein echter, ein veritabler Schurke. Siehe auch:

Liste von Wörtern mit Schelm

Alphabetisch sortiert. Viele alte Wörter sind dabei.

  1. Donnerschelm (Schimpfwort)
  2. Erzschelm (großer Schelm)
  3. Erzschelmerei (ein launiger, drolliger Einfall)
  4. Galgenschelm (Galenvogel)
  5. Geizschelm (wie Geizling, Geizler, Geizmann, Geizmaul, Geizsack, Geizseckel, Geizwanst, Geizwolf, Geizwurm, um noch ein paar alte Wörter für einen geizigen Menschen zu nennen …)
  6. Hagelschelm (Schimpfwort)
  7. Hausschelm (Hausnarr)
  8. Hurenschelm
  9. Schelmenart (Art eines Schelmen. “Schelmenart die Wahrheit spart.” Wander)
  10. Schelmenaugen (lustige Augen)
  11. Schelmenbande
  12. Schelmenbeichte (betrügerische Beichte, in der die Hauptsünden verschwiegen werden)
  13. Schelmenbrief (schurkischer, verräterischer Brief)
  14. Schelmenfabrikant (ein Ankläger, der durch Befragung einen Unschuldigen zum Schuldigen zu machen versucht)
  15. Schelmenfarbe (Narrheit wäscht sich nicht so leicht ab, wie Schelmenfarbe. Sprichwort )
  16. Schelmenfinger (betrügerische(r) Finger)
  17. Schelmengeschichte
  18. Schelmengesicht (lustiges Gesicht)
  19. Schelmengezücht (Familie, Gesellschaft von Schelmen)
  20. Schelmengilde (Sprichwort: Wer nicht zur Narrenzunft gehört, mag leicht zur Schelmengilde gehören)
  21. Schelmenglück (Glück das Schelmen und Schurken zu teil wird, besonders großes, unverdientes Glück; man sagte auch Diebsglück. Sprichwort: Schelmenglück führt zum Strick)
  22. Schelmengras (das spitzige Riedgras. Wohl so genannt, weil es nicht als Futter zu gebrauchen war und andere nützliche Gräser im Wachstum hinderte)
  23. Schelmengrübchen (haben manche Kinder im Gesicht)
  24. Schelmenjahr (die Lebensjahre, in denen man schelmisch, mutwillig zu sein pflegt)
  25. Schelmenkind
  26. schelmenkrank (sich krank stellen)
  27. Schelmenlied (neckisches, schelmisches Lied)
  28. Schelmenmädchen (schelmisches, neckisches Mädchen)
  29. Schelmenmaul (loses Maul, Mundwerk)
  30. Schelmenmelodie
  31. Schelmenmund (schelmischer, neckischer Mund, und eine Person mit solchem Munde)
  32. Schelmennest (Ansammlung von Schelmen. Sprichwort: In einem Schelmennest gibt ‘s viel Junge)
  33. Schelmenpack (Ansammlung von Schelmen)
  34. Schelmenpossen (Streiche)
  35. Schelmenrotte (Gruppe, Schar von Schelmen)
  36. Schelmensinn (gesinnung eines Schelmen)
  37. Schelmenspieler (von Leuten, die Glücksspiel um Geld spielen; Zocker)
  38. Schelmensprache (Sprechweise, die Schurken pflegen)
  39. Schelmenstreich, Schelmstreich (Streich, Tat eines Schelmen)
  40. Schelmenstück (Streich, Tat eines Schelmen)
  41. Schelmentücke (hinterhältiger Anschlag, Tat)
  42. Schelmenvolk (Gruppe, Schar von Schelmen)
  43. Schelmenwerk, Schelmwerk
  44. Schelmenzug (schelmischer, neckischer Gesichtszug)
  45. Schelmenzunft (Gemeinschaft von Schelmen; Vereinigung von Kriminellen)
  46. Schelmenzunftberater (Leuteverführer)
  47. Schelmerei (Spitzbüberei, Schurkerei)
  48. Schelmgeschichte (Diebsgeschichte)
  49. schelmhaft (schelmisch)
  50. schelmisch (wie ein Schelm, nach Art eines Schelmes)
  51. Schelmmeister (Meister der Schelme)
  52. Schelmrede (schelmische Rede)
  53. Schelmzeug (dasselbe wie Schelmenpack. Sprichwort: Schelmzeug schlägt, Schelmzeug verträgt sich)
  54. Tausendschelm (großer Schelm, Erzschelm)

Berühmte historische Schelmenromane

  1. Lazarillo de Tormes: Anonym (1554)
  2. Till Eulenspiegel: Unbekannt (nach 1500)
  3. Don Quijote: Miguel de Cervantes (1605)
  4. Gargantua und Pantagruel: François Rabelais (1532–1564)
  5. Die Abenteuer des Simplicissimus: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1668)
  6. Candide: Voltaire (1759)
  7. Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk: Jaroslav Hašek (1923)
  8. Tom Jones: Henry Fielding (1749)

Zitate aus der Literatur

Die andere, kleinere, rundliche, ein nußbraunes Mädchen, mit Schelmengrübchen um die Wangen und lachenden Schelmenaugen; wie wohl stand ihr der Kranz von Kornblumen, Ähren und Mohn im Haar.

Willibald Alexis: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht oder Vor fünfzig Jahren, 1852

Ihr Aug’ ist blau, nachtbraun ihr lockicht Haar,
Ein Schelmenmund, wie jemals einer war,
Ein launisch Kind; doch all’ ihr Widerstreben
Bezwingt ihr Herz, das mir so ganz ergeben.

Theodor Storm: Gedichte. Junge Liebe, 1852

Sieh mich an und tu mir ‘s kund, Schelmenauge, Schelmenmund!

Gottfried August Bürger: Gedichte, 1778

Tina drückte die Augen zu, und fuhr in dem allerliebsten Gedankenspiele fort, und senkte das zarte Näschen ihres Schelmengesichtchens in den frischen Kelch der duftigen Aster.

Clauren, Heinrich: Liebe und Irrtum, 1827

Du süßes, du liebliches Schelmengesicht,
Und will ich dich küssen und herzen,
So sträubst du und sperrst dich und leidest es nicht,
Und entfliehst unter Lachen und Scherzen.

Adolf Strodtmann: Gedichte, 1870

Mit dem kecken, lachenden, siegessicheren Auge und dem Schelmenzug um den Mund – den Liebling der Götter und des Vogelsangs, den Weltüberwinder von Leichtsinns Gnaden.

Wilhelm Raabe: Die Akten des Vogelsangs, 1896

Werkstattbericht

Das Beitragsbild stammt aus dem Fundus von Pixabay. Die verwendeten Google Fonts sind BenchNine und PT Sans. Recherche via DWDS, DTA und im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm.