Der Frühling unserer Jahre … 20 Zitate aus der Literatur über die erste Jahreszeit

Titelbild Buch mit Blumen Retro

So anregend und schön der Frühling immer wieder îst, er führt auch Wehmut mit sich. Melancholische Erinnerungen werden wach, so wie verschüttete Gedanken an verlorene Zeiten und Orte. Hier findest du ihn abgebildet in 20 Zitaten.

Solltest du eine besondere Neigung für die Reize des Frühlings empfinden, sei dir gewiss, dass du nicht allein bist. Ein Blick in die Bücher vergangener Jahrhunderte beschwört solche Gedanken und Bilder herauf. Hier sind einige frühlingssehnsüchtige Ausschnitte daraus.

Schöne Wörter Bücher Eine Bibliothek der schönen Wörter ... Ja, es gibt sie noch, die schönen Wörter. Begriffe mit dem besonderen Klang. Wörter, die Sehnsüchte und Erinnerungen in uns hervorrufen. Die Welt von damals, sie ist noch vorhanden. Erinnerungen an Altes und längst Vergessenes. Was verloren ging, ging nie ganz, die Sprache bewahrt es für uns. Hier ist eine wunderfrohe Blütenlese in Buchform mit den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Jetzt ansehen

Frühlingszitate aus der Literatur

Ohne weiter Ordnung, so wie sie mir aufgefallen sind. Auf dass das Wort, den Frühling hochleben lasse und ihn beschreibe, wie es ihm zusteht. Die Schreibweisen habe ich ein wenig den modernen Umständen angepasst.

Der Frühling hatte auch die Stadt Berlin überfallen. Sie wurde lieblich und verwirrt wie ein schönes Mädchen.

Max Barthel: Deutschland – Lichtbilder und Schattenrisse einer Reise, 1926

Junge Welt, nun tauch dich unter
In den Frühlingssonnenschein!
Sieh’ die Vögel werden munter,
Und die Au wird bunt und bunter –
Soll’s für dich nicht Frühling sein?

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: Unpolitische Lieder, 1840

Es wurde auch Frühling, wie schon so viele tausend Male in der Welt, und wieder sagten viele Menschen wie vorher und wie sie noch immer wieder sagen werden: So schön war der Frühling noch nie. Die Blumen schossen so geschwind aus der Erde heraus, wie fröhliche Gedanken in Kinderherzen aufblühen, und die Büsche hatten es eilig, sich in grüne Schleier zu hüllen.

Josephine Siebe: Die Tasse des Königs, 1916

»Die Jugend ist der Frühling unser Jahre;
So wie der Lenz des Jahres Jugend heißt;
Der Jugend Feld trägt angenehme Ware,
Denn die man vor des Frühlings Kinder preist,
Das Blumwerk, so die frische Jugend treibet,
Wird schöner, als des Frühlings Glanz und Lust.«

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau: Herrn von Hofmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bisher ungedruckte Gedichte, 1710

Du schöner Frühling, sei, o sei mir hold!
Spiel’ um die Stirne mir mit süßem Hauch,
Und küsse mir den Tau vom müden Aug’!

Luise Büchner: Frauenherz, 1862

Sie dachte vergangener Zeiten, da auch sie jung und frühlingsgrün gewesen und einen Liebsten gehabt – aber den hatte sein Schicksal weit hinausgetrieben aus dem heimischen Tannwald, raubende Nordmänner, die einst mit Sengen und Brennen den Rhein herauf fuhren, hatten ihn und viel andere Heerbannleute gefangen mitgeschleppt …

Joseph Victor von Scheffel: Ekkehard, 1855

Ich weiß, der Lenz schwebt nieder,
Ich weiß wohl: es ist Mai;
Doch kehren dieselben Lieder,
Dieselben Blumen nicht wieder;
Ist Alles anders und neu.

Louise Hensel: Lieder, 1879

In der zweiten Hälfte der Woche wich sein Arbeitsübereifer einer gereizten Arbeitsunlust. Wohl ging er in der Morgenfrühe mit den Knechten hinaus und wies ihnen ihre Aufgaben. Er selbst aber warf sich auf irgendeinem Hügel unter einem blühenden Baume ins Gras und starrte in die blauenden Fernen, wo Himmel und Erde geheimnisvoll lockend ineinanderflossen. Wie ein bebender Rausch lag der Frühling über der Welt und bebte in Arnold Opterbergs Blut.

Rudolf Herzog: Die Buben der Frau Opterberg, 1924

Es war damals ein ungewöhnlich milder Monat. Nach Lichtmess hatten im Garten des Leonhardwinkels schon Veilchen, Hasel und Palm zu blühen begonnen und die Stare im Nussbaum gerufen, und die Erde hüllte sich leise in das liebliche Gras. Ein überfrüher Frühling hatte sich an die Donau verirrt. Schon gingen die Kinder barfuß.

Hans Watzlik: Der Meister von Regensburg, 1939

Ein junger Mann, ein schlanker, hübscher Mensch mit einer Mappe unter dem Arm, schlenderte die Straße hinab, mit jener wohligen Lässigkeit, die uns so gern im Frühling überfällt, und streifte mit träumerischen Augen die sonnenbeschienenen Häuser mit den halboffenen Fenstern, dann wieder die Amseln auf den Bäumen, die es mit Hüpfen und Flöten höchst eifrig hatten, endlich die schaukelnden Mädchen auf den Sperrketten, die nicht minder als jene kicherten und lärmten.

Ilse Frapan: Bittersüß. Novellen, 1891

Der Frühling war in seiner völligen Herrlichkeit erschienen; ein frühzeitiges Gewitter, das den ganzen Tag gedrohet hatte, ging stürmisch an den Bergen nieder, der Regen zog nach dem Lande, die Sonne trat wieder in ihrem Glanze hervor und auf dem grauen Grunde erschien der herrliche Bogen.

Johann Wolfgang von Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre, 1796

Sie trotzt dem rauhen Wetter
Und hütet, lenzgeweiht,
Im Rahmen weicher Blätter
Die ganze Rosenzeit.

Anastasius Grün’s gesammelte Werke: Herausgegeben von Ludwig August Frankl, 1877

Noch kehrt in mich der süße Frühling wieder,
Noch altert nicht mein kindisch fröhlich Herz,
Noch rinnt vom Auge mir der Tau der Liebe nieder,
Noch lebt in mir der Hoffnung Lust und Schmerz.

Friedrich, Hölderlin: Gedichte, 1826

Alles war lustig, die Pflanzen, die Insekten, die Vögel, die Kinder. Nur die Menschen fuhren fort, sich und andere zu quälen und zu betrügen. Nur die Menschen meinten, nicht dieser Frühlingsmorgen, nicht diese himmlische Weltenschönheit, die zur Freude aller lebenden Wesen geschaffen war und sie alle zum Frieden, zur Eintracht und Zärtlichkeit zurückführen sollte, wäre wichtig und heilig, nein, wichtig und heilig wäre nur das, was sie selbst ersonnen, um sich gegenseitig zu quälen und zu betrügen.

Lew Tolstoi: Auferstehung 1. Band, 1899

Wenn nach langen Winterstürmen endlich der Frühlingshimmel durch die noch dürftig belaubten Bäume schimmert, muß ich, wo ich auch immer sei, des Erwachens der Natur gedenken, wie sie es in den Felsen und Wäldern meiner kleinen Heimat feiert.

Anna Löhn: Humoresken, 1868

Meine Reise von Berlin nach Dresden war wonnig. Überall saß der Frühling hinter jedem Strauch und ich fühlte, wie es frische Knospen trieb. Die kleinen Bäche waren von dem schmelzenden Schnee hoch angeschwollen und rauschten hurtig dahin. Die Wiesen waren mit großen Lachen bedeckt, die dem blauen Himmel entgegenjauchzten. Überall saß der Frühling.

Paula Modersohn-Becker: Briefe an Otto Modersohn, 1901

Ein Liebeserlebnis, unvermutet und glücklich, kam dazu, sein Herz wurde ungewöhnlich hoch gehalten, tagelang, und so schoß denn auf der anderen Seite der spielende Strahl seines Lebens zu beträchtlicher Höhe auf. Mit jemandem, der sich in solcher Verfassung befindet, eine außerordentliche Stadt und eine mehr als gefällige Landschaft wahrzunehmen ist eine seltene Vergünstigung; und so erscheinen mir denn auch, wenn ich zurückdenke, jene zarten und zugleich leidenschaftlichen Frühlingstage als die einzigen Ferien, die ich in meinem Leben gekannt habe.

Rainer Maria Rilke: Der Brief des jungen Arbeiters, 1922

All’ Freunde sind lang fortgezogen,
Der Frühling weint in einem fort,
Eine Brücke ist der Regenbogen
Zum friedlich sichern Heimatsort.

Joseph von Eichendorff, 1837

O wie die Lerchen dem blauen Himmel entgegen jubelten, und Duft und Lieblichkeit überall und tiefer Frieden!

Marie Nathusius: Die Kammerjungfer. Eine Stadtgeschichte, 1851

Wie Erstlingsblüten des Lenzes zu schau’n,
Knaben und Mägdlein, blond und braun,
Alle mit Augen, die seltsam glänzen.
Die Kleinen hängen den Größ’ren am Kleid
Und trippeln dahin in Glückseligkeit,
Geschmückt mit bunten Blumenkränzen.

Adelheid Stier: Der Kinderkreuzzug. Aus alten Tagen der Thüringer Heimat, 1919

Werkstattbericht

Das Beitragsbild im altmodischen Stil stammt von Depositphotos @jakkapan. Die verwendeten Google Fonts sind BenchNine und PT Sans. Recherche via Google Books, DTA, Wikisource, Zeno und Projekt Gutenberg.

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