69 ungewöhnliche Substantive aus vergangener Zeit – und was ihre Bedeutung war

69 ungewöhnliche Substantive aus vergangener Zeit – und was ihre Bedeutung war

So schöne Worte … Und trotzdem vergessen. An dieser Stelle wird es in Teilen skurril. Hier sind seltsamliche Wörter und Wortbildungen aus vergangener Zeit.

So lange liegt die doch gar nicht zurück, kaum mehr als ein oder zweihundert Jahre – nicht wenige aber sind noch älter. Die überwiegende Zahl dieser Worte ist längst in Vergessenheit geraten.

Schöne Wörter Bücher Eine Bibliothek der schönen Wörter ... Ja, es gibt sie noch, die schönen Wörter. Begriffe mit dem besonderen Klang. Wörter, die Sehnsüchte und Erinnerungen in uns hervorrufen. Die Welt von damals, sie ist noch vorhanden. Erinnerungen an Altes und längst Vergessenes. Was verloren ging, ging nie ganz, die Sprache bewahrt es für uns. Hier ist eine wunderfrohe Blütenlese in Buchform mit den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Jetzt ansehen

Hier geht es mir um den besonderen, nämlich kreativen Ausdruck. Das eine oder andere Wort könnte man durchaus auch mal wieder in Benutzung bringen, in Texten. Das ist durchaus möglich, da viele dieser Wörter erstaunlich bildhaft, fast spaßig sind. Siehe auch:

Eine kleine Liste seltsamer Substantive aus vergangener Zeit

Sorgfältig ausgewählt und alphabetisch sortiert. Aber ohne inhaltliche Schwerpunkte, ein bunter Strauß erwartet den Leser.

  1. Abendvogel (Nachtfalter)
  2. Altjahrestag (Silvester)
  3. Angstkind (Kind, um das man sich besonders sorgt; Kind, um das die Eltern viel Angst und Sorge hatten.)
  4. Blauvogel (Blaumeise)
  5. Bramarbas (Prahler, Aufschneider)
  6. Brummerling (Wespe)
  7. Büberei (Schurkerei, Vergehen)
  8. Christnachtskind (an Heiligabend geborener Mensch)
  9. Eselstand (alberne Tand, nutzlose Spielerei)
  10. Felleisen (Lederrucksack oder -Tasche)
  11. Flatterie (Schmeichelei)
  12. Fürstenlastergesang (Schmähgesang oder Scheltgesang auf Fürsten. Heute für allerlei Ämter denkbar …)
  13. Galgenbraten (Teufelsbraten)
  14. Gauch (Kuckucksvogel) interessante Geschichte in der Wikipedia
  15. Gaukelpuppe (Marionette)
  16. Gassengeschwätz (allgemein verbreitetes Gerücht)
  17. Gaukelseil (Seil des Seiltänzers, Gauklers)
  18. Glücksabenteuer (Glückserlebnis, Zufallsereignis)
  19. Glücksmeisterin (Meisterin des Schicksals)
  20. Glücksverschleuderer
  21. Glückswalterin (Wahrsagerin)
  22. Guttäterin (Wohltäterin)
  23. Haussonne (einst nannte man so eine schöne Hausfrau)
  24. Holdschaft (Zuneigung, Freundlichkeit, Freundschaft, Liebe)
  25. Irrgeschwätz (verrücktes Gerede – nach Kleist)
  26. Jahrmarktslockung
  27. Jugendhoffnung
  28. Kleiderhüterin (Garderobenfrau, Garderobière)
  29. Küchenschnuckel (Einer, der die Küche nach Eßbarem durchsucht)
  30. Lachzähne (die vordersten Schneidezähne, die beim Lachen vorzugsweise entblösst werden)
  31. Lappenware (schlechte Ware)
  32. Lotterbande (nichtsnutzige Bande)
  33. Ludergaul (schlechtes Pferd, Schindmähre)
  34. Lüftling (jemand mit lockerer Lebensart; nicht zu verwechseln mit dem Lüstling, auch wenn es Parallelen geben mochte)
  35. Malefizperson (Verbrecher)
  36. Mäusekopf (Spitzbübin)
  37. Meerpomeranze (Seeigel)
  38. Milchludel (weibliche Brust)
  39. Mondritter (für einen im Mondschein schwärmenden, verliebten Mann)
  40. Mondscheinball (Tanz im Mondenschein)
  41. Mondvogel (Nachtfalter)
  42. Morgenschöne (Schönheit des Morgens)
  43. Prahlhanserei (Prahlerei, Aufschneiderei)
  44. Rockenstube (Spinnstube)
  45. Sauerbrauer (Essigmacher)
  46. Schachergrube (Räuberhöhle)
  47. Schandmantel (Mantel, den Verbrecher zur Strafe tragen mussten)
  48. Schnuderlumpe (Rotzlappen, Taschentuch)
  49. Schwiegergreis (Schwiegervater)
  50. Seelenschimmern
  51. Siebenfarbenblume (Stiefmütterchen)
  52. Siebenstern (Siebengestirn, Plejaden)
  53. Sorgensäule (der Arm, auf den man den sorgenvollen Kopf stützt)
  54. Spielbier (Bier, das den Musikanten für ihr Spiel gespendet wird)
  55. Spielkränzchen (wenn Damen sich nicht zum Kaffee treffen, sondern zum gemeinsamen Spielen)
  56. Starkbrummer (jemand der eine tiefe und umfangreiche Singstimme hat)
  57. Starkmachung (Stärkung)
  58. Stundenausrufer, Stundenwächter (Nachtwächter)
  59. Stundenmädchen (junge weibliche Haushaltshilfe, die stundenweise kommt)
  60. Sturmbrief (stürmischer, drängender Brief)
  61. Tändelstöckchen (Spazierstock)
  62. Trollschoppen (der letzte Schoppen, den man beim fortgehen trinkt)
  63. Vorgartenfrühling
  64. Vorschöne (ähnliche wie Vorfreude; definiert als Schönheit, die eine künftige vollkommene Schöne bereits ahnen lässt)
  65. Wagegeist (wagemütiger, unternehmerischer Mensch)
  66. Wonnetaumel (Freudenüberschwang)
  67. Zechschwarm (umtriebige Gruppe von trinklustigen Leuten)
  68. Zehnmond (Dezember)
  69. Zehnuhrbrötchen (Frühstücksbrötchen)
  70. Zehrsack (Reisebehältnis mit Verpflegung, man denke an Wegzehrung)

Heute ungewöhnliche Substantive in klassischen Texten

Im Übrigen ist mir’s egal, ob es in seinem Herzen stürmt oder hagelt. Ich geh‘ jetzt und lass‘ Dich mit dem Sturmbrief allein …

Bertha von Suttner: Eva Siebeck, 1892

Ein rechter Brausekopf, mit aufstehendem rotblondem Kraushaar und zwei breiten Schmarren über der linken Backe bis in den Mundwinkel hinein, jetzt nach der dritten Flasche wieder stark gerötet.

Ernst Wichert: Das Duell, 1900

Daß er der Bürgercanaille den Hof macht – Flatterieen sagt – auch meinetwegen Empfindungen vorplaudert – das sind lauter Sachen, die ich möglich finde – verzeihlich finde – aber – und noch gar die Tochter eines Musikus, sagt Er?

Friedrich Schiller: Kabale und Liebe, 1784

Mit ihren Jugendhoffnungen schien sie fertig zu sein, und daß ihr das keinen Kummer machte, lag in ihrem heiteren Wesen deutlich verzeichnet.

Adolf Kolping: Ausgewählte Volkserzählungen, 1896

Niemand fiel es ein, ihm eine Unwahrheit zu sagen, oder ihn mit einem Gassengeschwätz oder mit Kaffeehausredensarten abzuspeisen, sondern durch eine so große Aufrichtigkeit sah ein jeder sich zu einer gleichen Aufrichtigkeit gezwungen und so ließ er ihn wirklich sehen, was an Liebe zur Natur an Poesie in ihm war und wie die Wahrheit sich ihm darstellte.

Ralph Waldo Emerson: Einsamkeit, Essay, 1905

Werkstattbericht

Das Beitragsbild stammt aus dem Fundus von Pixabay. Die verwendeten Google Fonts sind BenchNine und PT Sans. Recherche via Google, Projekt Gutenberg und im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm.

Haiku für jeden Tag – 300 japanische Klassiker für dein achtsames Leben

Drei Zeilen, ein Moment – Haiku fürs Leben

Diese alten Gedichte sind keine musealen Texte, sondern kleine Übungen im Sehen, Fühlen und Staunen. Sie zeigen, wie einfach es ist, wieder da zu sein – im Hier und Jetzt.
Ein Mensch schläft, isst, wartet, lacht. Kein Tempel, keine Erleuchtung, nur Alltag - und gerade darin liegt die Kraft.

Ein Kissen
auf die Bambusblätter –
Sternesehen!

— Takarai Kikaku (1661–1707)

Haiku Buch Illustration

Haiku lehren nichts, sie erinnern. An Ruhe. An Gegenwart. An das, was bleibt, wenn alles andere laut ist.

Eine Kamelie fällt.
Der Hahn kräht.
Noch eine Kamelie fällt.

— Sakurai Baishitsu (1769–1852)

Dieses Buch versammelt über dreihundert klassische Haiku, neu übersetzt für unsere Zeit – als kurze Momente der Klarheit für jeden Tag.

Du musst nichts über Japan wissen. Du musst sie nicht deuten oder analysieren. Schau sie einfach an wie einen Stein im Fluss. Die begleitenden Texte öffnen behutsam den Raum der Gedichte, ohne das Geheimnis zu zerstören.

Auf dem Strohlager –
der Herbstwind bläst
auf meine Fußsohlen.

— Kobayashi Issa (1763–1828)

Haiku von Kobayashi Issa, Yokoi Yayu, Masaoka Shiki, Mirakami Kijo, Tan Taigi und dreiunddreißig weiteren Autoren. Übersetzt und herausgegeben von Lenny Löwenstern

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Selbst das Klohäuschen
steht offen –
Pflaumenblüte!

— Kobayashi Issa (1763–1828)