Wörter selbst ausdenken … Begriffe, die es (noch) gar nicht gibt

Wörter selbst ausdenken ... Begriffe, die es (noch) gar nicht gibt

Romantische Wortkompositionen selbst gemacht. Auf die Gefahr hin, ein Wort zu erfinden, dass es schon gibt, das aber nicht so leicht gefunden werden kann, möchte ich dich anregen, es selbst einmal zu versuchen. Wörter können auch verschenkt werden.

Oder nur so zum Spaß, vielleicht aber auch in ernster Absicht für einen künftigen Text. Ich denke mir gern neue Wörter aus, die ich in Romanen verwende.

Schöne Wörter Bücher Eine Bibliothek der schönen Wörter … Ja, es gibt sie noch, die schönen Wörter. Begriffe mit dem besonderen Klang. Wörter, die Sehnsüchte und Erinnerungen in uns hervorrufen. Die Welt von damals, sie ist noch vorhanden. Erinnerungen an Altes und längst Vergessenes. Was verloren ging, ging nie ganz, die Sprache bewahrt es für uns. Hier ist eine wunderfrohe Blütenlese in Buchform mit den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Jetzt ansehen

Goethe fängt an

An dem, was jetzt kommt, ist der alte Goethe schuld. Sein Wort Liebehimmelswonnewarm stammt aus dem Drama Satyros oder Der vergötterte Waldteufel. Es wurde dort allerdings vom Meister mit Bindestrichen geschrieben, aber das ist nicht so wichtig. Man kann das Wort variieren und auf diese Weise zu neuen, ähnlichen Ausdrücken kommen. Zum Beispiel so:

  • Himmelsliebestraum
  • Liebeshimmelstraum
  • liebessonnnewarm
  • liebeswonnezart
  • Wonnehimmelsliebestraum

Das geht auch mit anderen Wörtern, die einem begegnen. Man kann sie sich aber auch selbst ausdenken, indem man Vorhandenes neu zusammenfügt.

Bitte nicht falsch verstehen, die Wörter, die ich mir ausdenke, gehen in eine bestimmte Richtung. Sie sollen hier zur Website passen und müssen deshalb einen gewissen Anteil von Schönheit verfügen, oder in meine Romane passen. Davon abgesehen, gibt es unzählige Möglichkeiten, sich Wörter auszudenken. Das geht in jeder Sprache und in jedem Bereich oder Genre. Man muss es nur einmal versuchen. Siehe auch:

Man kann im Deutschen Wörter fast beliebig zusammenkleben, das geht erstaunlich gut. Die dabei herauskommenden Begriffe sind aber viel zu sperrig, um sich durchsetzen zu können. Man denke an Behörden, Gesetze oder den berühmten Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän.

Komposita in der deutschen Sprache

Dreiteilige Zusammensetzungen, so genannte Mehrfachkomposita, sind relativ leicht zu bewerkstelligen. Nehmen wir das Adjektiv zauberhimmelschön. Es klingt ganz gut, ist bloss ein bisschen zu lang. Dennoch ist schon jemand vor mir drauf gekommen. Eine Fundstelle kann ermittelt werden. Wer was, was es da draussen in den Weiten des Internets nicht noch alles gibt. Und erstrecht in Millionen alten Büchern. Finden müsste man es jetzt noch können …

Solche Formen haben viele Autoren und Schriftsteller schon verwendet, angefangen bei Goethe bis in die heutige Zeit. Komposita sind am einfachsten. Sich etwas völlig Neues auszudenken ist hingegen schwierig, denn die Bedeutung muss erst erklärt werden. Neue Wörter entstehen, weil neue Dinge benannt werden müssen.

Deshalb ist es schwierig sich ein neues Wort wie … sagen wir … Simsen auszudenken. Es ergibt sich. Liegt nahe. Es kommt mit neuer Technologie, mit Erfindungen, Ideen, neuen Nutzungen. Wörter kommen mit neuen Bräuchen, kommen aus anderen Sprachen, werden in der Jugendsprache oder in Fachidiomen geprägt. Dazu kommen Akronyme, Umdeutungen.

Um all das geht es hier nicht. Denn es ist gar nicht möglich. Ein neuer Begriff wird erst verstanden, wenn er verbreitet immer wieder genutzt wird. Nur dann versteht man ihn. Komposita hingegen versteht man, weil man die Einzelteile schon kennt.

Neue Wörter sind Neologismen

Ein neues Wort wird als Neologismus (Neuwort) bezeichnet. Dazu wird es aber erst in mehrmaligem Gebrauch. Wer sich hier anregen lässt und sich etwas ausdenkt, schafft damit zwar ein neues Wort, aber in der Regel keinen Neologismus. Der Fachmensch nennt es dann Okkasionalismus oder auf Deutsch Gelegenheitsbildungen. Die Wahrscheinlichkeit einmal in einem Wörterbuch aufzutauchen, ist gering. Aber das muss uns nicht stören.

LINKTIPP: Mehr oder weniger lustige Neubildungen, die durch kleine Veränderungen bekannter Wörter entstanden sind, hat Kunstworte – dein Wörterbuch für Wortkreationen gesammelt. Das ist aber nicht das, was ich hier zeigen möchte.

Wie kann man feststellen, ob es ein Wort schon gibt?

Man müsste nur alle je geschriebenen Texte durchsuchen. Praktisch ist das unmöglich, weil nicht alles in Datenbanken erfasst ist, nicht aktuell ist und nicht jedem zugänglich ist. Tatsächlich ist die Mehrzahl sämtlicher je erschienener Bücher nicht online verfügbar und kann auch nicht in der Buchhandlung gekauft werden.

Man muss die Schreibweise berücksichtigen, manches schrieb man früher eben anders. Denke nur an das ß oder das th.

Tipp: Das Suchwort immer in Anführungsstriche setzen, dann sucht Google genau danach – und nur danach.

Google und Google Booksearch haben Grenzen, die Mehrzahl der jemals erschienenen Bücher und Schriften kennt Google gar nicht, sie wird nur mehr oder weniger zugänglich in Bibliotheken gelagert. Denn die Welt ist größer viel als das, was bisher indexiert wurde.

Selten ist eine Zusammensetzung wie Schmetterlingsdämmerung (sehr selten, das Wort gibt es eigentlich gar nicht, kann aber via Google gefunden werden. Fundstellen können zum Beispiel aus einem Textgenerator stammen und zufällig sein.)

Es gibt keine Urheberrechte oder Copyrights auf solche Wörter. Was einer erfindet, darf der andere ebenso verwenden, es kann ja selbst drauf gekommen sein. Abraten würde ich aber, wenn bestimmte Wörter einem bestimmten Autor oder Künstler zuzurechnen sind. Ansonsten möge jeder das Sprachmaterial nutzen, wie er es mag.

Hier ist ein Beispiel von meinem Lieblingsdichter Friedrich Rückert. Sein Wort Herbstabendpurpurlicht stammt aus dem Jahr 1836 und wurde von ihm in einem Gedicht verwendet. Kann man mal machen. So kriegt man auch schnell eigene Wörter hin. Es muss nur lang genug sein. Ein bisschen unfair ist das.

Diese drei ähnlichen Wörter habe ich mir gerade beim Schreiben ausgedacht.

  • Winterabendwolke
  • Winterabendwolkenschimmer
  • Schneewolkenschimmer
  • Mondwolkenschimmer

Ich kann sie mir in einem Gedicht oder einem Roman vorstellen. Das Wort Abendwolkenschimmer auf das ich auch gekommen bin, wird in einem Gedicht von 1805 bereits verwendet:

Anmutglanz umfließet deine Wangen,
Die wie Abendwolkenschimmer prangen.

Seinerzeit veröffentlicht von Johann Wenzel Rautenkranz

Es gibt zwar das Regenglück und ganz selten auch das Verb regenglücklich, aber noch keine Regenglücklichkeit. Was verständlich ist, denn statt Glücklichkeit sagt man normalerweise Glück oder Glückseligkeit.

Ein anderes Beispiel: Die Wörter regenbesessen und regenversessen. Beide gibt es nicht. Aber braucht man diese Wörter? Augenscheinlich nicht. Jedenfalls solange nicht, bis ein Text, ein Thema sie verlangt. Mehr Regen?

Neue Schneeflockenwörter

Ich liebe sie Schneeflocken. Klar gibt es die hier auch als Liste. Doch mehr Wörter zu haben, wäre nicht verkehrt. Deshalb schlage ich hier ein paar neue Prägungen vor, die meine eigenen Gefühle aus der Erinnerung nahe kommen.

Statt “flocken-” lässt sich jeweils auch “schneeflocken-” sagen, ich find es dann aber ein bisschen lang.

  • Schneeflockenbegeisterung
  • flockenvergnügt, (Flockenvergnügen hingegen gibt es)
  • flockenverzückt
  • flockenlustig
  • Flockenlust
  • flockenverzaubert
  • flockensäuselnd (das kann man zum Beispiel vom Wind sagen)
  • flockenverliebt
  • flockenvernarrt
  • flockenschön, winterflockenschön, himmelflockenschön, winterhimmelflockenschön … treibe es weiter, wenn du magst.
  • tausendflockenlustig
  • tausendflockenvergnügt
  • winterflockenzauberschön

Neue Schneewörter

Kitzelschnee – ist ein Schnee, der kaum zu sehen, aber zu spüren ist. Er macht sich bemerkbar, indem er sanft auf der Haut explodiert. Dieser Schnee fühlt sich auf Dauer feucht an. Das stammt auch aus einem Buch, nämlich dem Weihnachts- und Adventsroman Weihnachtsfabel von mir selbst. Vielleicht empfindest du manchmal genauso, wenn du an Schnee denkst.

Gaukelschnee (gauklerischer Schnee, der uns Streiche spielt) gibt es ebenfalls nicht. Auch auf die Schneegaukelei (Schabernack und Kleinkunst im Zusammenhang mit Schnee) scheint noch niemand gekommen zu sein. Wie wäre es mit

Glanzschnee, Milchschnee, Wunderschnee, Mützenschnee, Taschenschnee, Staubschnee, Schippenschnee, Prachtschnee, Schattenschnee, Mondschnee, Tannenschnee, Mädchenschnee, Tausendschnee, Seelenschnee, Trostschnee, Glücksschnee, Schlafschnee, Kindheitsschnee, Herzschnee … Schlummerschnee

Liste erfundener Wörter auf sternenvogelreisen.de

Unsinn oder Sprachjuwelen? Einige Begriffe tauchen in Beiträgen hier auf der Website auf, andere habe ich für Bücher oder für diesen Beitrag erfunden. Es könnte den einen oder anderen durchaus geben, andere habe ich vielleicht nicht finden können. Eine gewisse Unschärfe bleibt. Für mich klein Problem, ich erhebe keinerlei Ansprüche. Wer sich hier für eigene Texte bedienen will, darf das gern tun.

  1. ärgerumwölkt
  2. blütenschimmerschön
  3. buchgrüblerisch (über Bücher grübelnd, zum Beispiel ein Gelehrter)
  4. Fabelweihnacht (wie Fabelrekord = eine fabelhafte, fabelschöne Weihnacht)
  5. flitterschön
  6. flussverzaubert (erfunden für meinen Roman Sommerfabel)
  7. himmelhauchblau (ein dünnes, luftiges, sehr helles Blau, so jedenfalls stelle ich es mir vor)
  8. Himmelrosenschein
  9. Himmelsträufeln (leichter Regen … aus der Regelfabel)
  10. hungriggrau (dieses Wort habe ich mir für den Titel des Beitrags über Wolfswörter ausgedacht. Er lautet 61 hungriggraue Wolfswörter. Ich weiß gar nicht, ob das so zulässig ist. Das Wort beschreibt ja keine neue Variante von Grau, sondern setzt zwei Eigenschaften des Wolfes begrifflich zu etwas Neuem zusammen.
  11. hutverzaubert
  12. Lückenanstarrer  (Er war ein großer Lückenanstarrer … Ich denke an ein Bücherregal. Das ist aus einem Lesefehler entstanden … eine große Lücke anstarren.
  13. mondbetört
  14. mondfreundlich
  15. Mondschimmerlied (ein Lied, das man beim Schimmer des Mondes hört oder das in seinem Licht entsteht – aus dem Roman: Josefine und der Sommermörder)
  16. Mondschimmerschein
  17. mondvergnügt
  18. Mondwolkenschimmer
  19. nachtbetört
  20. nachtgrüblerisch (nicht zu verwechseln mit nachgrüblerisch, was etwas völlig anderes und durchaus bekannt ist)
  21. nachtvergnügt
  22. nachtzerknirscht
  23. nachtzermürbt
  24. nebelverdrossen
  25. pflaumengartenschön
  26. Pflaumengartenschönheit
  27. regenbesessen
  28. Regenglücklichkeit
  29. regengrüblerisch
  30. regenheiter
  31. regenversessen
  32. romanleselustig
  33. romanverrückt
  34. romanverzückt (von einem Roman verzückt sein)
  35. schattengrüblerisch
  36. schattenschüchtern
  37. schattenumfasst
  38. schattenvergessen
  39. Schneewolkenschimmer
  40. schwarzbewusst
  41. spaziervergnügt
  42. Spazierwohl
  43. sternenübernächtigt
  44. sternträumend
  45. Waldglücklichkeit (das Glück im Wald unterwegs sein zu dürfen)
  46. waldzauberisch
  47. weihnachtsverzaubernd
  48. wiesenvergnügt
  49. Winterabendwolke
  50. Winterabendwolkenschimmer
  51. wunderschimmerschön
  52. wunderhimmelschön

Oder wie wäre es damit? 6 seltsame erfundene Wörter

  • Wunschplunder
  • Plunschwunder
  • Schwundpulver
  • Pulverschwund
  • Flunschplunder
  • Plunderflunsch

Werkstattbericht

Das Beitragsbild stammt aus dem Fundus von Pixabay. Die verwendeten Google Fonts sind BenchNine und PT Sans. Recherche via Google und Google Booksearch.