61 kreative und unbedingt rare Adjektive aus der Literatur

61 kreative und unbedingt rare Adjektive aus der Literatur

Dieser Beitrag enthält ungewöhnliche, seltene Adjektive, die von Schriftstellern geprägt wurden. Darunter zahlreiche Perlen. Wörter, die uns nicht geläufig sind, die aber durch Schönheit und Klang glänzen können.

Alle stammen aus dem Buch: Adjektivkomposita und Partizipialbildungen. Geschrieben von Maria Pümpel-Mader, Elsbeth Gassner-Koch, Hans Wellmann unter Mitarbeit von Lorelies Ortner. Es erschien 1992 im Verlag Walter de Gruyter. Das ist der Verlag mit den exorbitanten Preisen. Mein Exemplar habe ich antiquarisch erworben, neue Bücher sind eh nicht mehr in Handel, eletronische Bücher gibt es natürlich nicht.

Schöne Wörter Bücher Eine Bibliothek der schönen Wörter ... Ja, es gibt sie noch, die schönen Wörter. Begriffe mit dem besonderen Klang. Wörter, die Sehnsüchte und Erinnerungen in uns hervorrufen. Die Welt von damals, sie ist noch vorhanden. Erinnerungen an Altes und längst Vergessenes. Was verloren ging, ging nie ganz, die Sprache bewahrt es für uns. Hier ist eine wunderfrohe Blütenlese in Buchform mit den schönsten Wörtern der deutschen Sprache. Jetzt ansehen

Das germanistische Fachbuch ist alles andere als ein leichter Lesestoff. Ich habe es durchkämmt auf der Suche nach kreativen, schönen, ausdrucksvollen und spannenden Adjektiven. Davon enthält es nämlich recht viele. Und noch ein Kriterium gab es: Die Wörter sollten selten zu finden sein, etwas Originelles darstellen. Das war zeitraubend, die Ausbeute kann sich aber sehen lassen.

Der Fachmann spricht übrigens von »nichtusuellen« Wörtern, das bedeutet ungewöhnliche Bildungen, die nicht in den festen Wortschatz oder in Wörterbücher wie den Duden eingegangen sind.

Man muss das nicht mögen, man darf sich aber anregen lassen. Wer Lust hat, kann die Begriffe in eigenen Texten ausprobieren und so für Überraschungen sorgen. Die Auswahl ist nur bedingt alphabetisch, man sehe es mir nach.

Das Buch nennt ebenso auch zahlreiche Beispiele aus der Werbung, etwa tiefkühlfrische Pizza, baumwollfrische Socken … Die waren aber nicht mein Fall und sind deshalb draußen geblieben. Soweit möglich habe ich den Kontext (in Kurzform) dazugenommen. Siehe auch:

Liste mit kreativen und raren Adjektiven aus der Literatur

Die Auswahl ist nur bedingt alphabetisch, man sehe es mir nach. Das Buch nennt ebenso auch zahlreiche Beispiele aus der Werbung, etwa tiefkühlfrische Pizza, baumwollfrische Socken … Die waren aber nicht mein Fall und sind deshalb außen vor geblieben.

  1. alltagsblaß (Heinz Vater, Wortschatz)
  2. angstkaltes Herz (Gabriel García Márquez, Hundert Jahre Einsamkeit)
  3. angstklein (Paul Zech, Heinz Peter Dürsteler)
  4. angstzerglühte Herzen (August Stramm, Das Werk)
  5. augenblickskurz (Paul Zech, Heinz Peter Dürsteler)
  6. augenruhige Überlegenheit (Franz Werfel, Der veruntreute Himmel)
  7. backenpralle Hosen (Volker Elis Pilgrim, Dressur des Bösen)
  8. backrotes Gesicht (Manfred Kienpointner, Märchen)
  9. baumüberschattete Häuser (Ursula K. Le Guin, Winterplanet)
  10. dampfdunstige Hafenstädte (Wolfgang Borchert, Draußen vor der Tür)
  11. des Mohren tintenschöne Tochter (H. C. Artmann, der aeronautische sindtbart)
  12. die roten rotgeweinten rotgeschluchzten Augen (Wolfgang Borchert, Deutsche Prosa)
  13. er ist wutblaß (Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz)
  14. erhebt sich kinderstubenlau (Gregor von Rezzori, Vivat Vamp)
  15. erwägungswichtige Frage (Gustav Hans Graber, Vorgeburtliches Seelenleben) … so wichtig, das sie erwogen werden kann.
  16. feuchtklumpig (Günther Grass, Blechtrommel)
  17. gefühlszarte Andachtslieder (Valentin Müller, Deutsche Dichtung)
  18. glanzverloren (Gottfried Benn, Werke)
  19. grätendürre Arme (Anna Seghers, Aufstand)
  20. hauchstille Pflanzenluft (Deutsche Prosa)
  21. heilandweiß (Gottfried Kölwel)
  22. höhlenheimelige Nacht (Reinhard Köhrer, Weg der Erde)
  23. In seinen Augen flackert es kindertraurig (Erwin Strittmatter, Ole Bienkopp)
  24. kirschschwarze Mittelmeeraugen (Günther Grass, Blechtrommel)
  25. kleinkinderglücklich (Runge, Dürsteler, Expressionismus)
  26. krippennackt … wie das Jesuskindlein (Peter Huchel, Gedichte)
  27. lachheiße Wangen (Rainer-Maria Rilke, Tagebücher)
  28. laubstille Dunkelheit (Deutsche Prosa)
  29. Leute glotzten mich morgenblöd an (Hildegard Knef, Der geschenkte Gaul)
  30. lidweit dehnt sich der Himmel … (Paul Celan, Sprachgitter)
  31. madenbleicher Fettwanst (Eugen Roth, Ernst und Heiter)
  32. manchmal aber, sichelschwebend, wär ich gerne nachts der Mond (Peter Huchel, Gedichte)
  33. mantelflatternder Musiklehrer (Eugen Roth, Das neue Eugen Roth Buch)
  34. milchweiche Schultern (August Stramm, Werke)
  35. morgenblasse Städte (Stefan Heym, Lyrik)
  36. morgengoldene Luft (Anna Seghers, Sagen)
  37. morgenreine Melodie (Ernst Stadler, Dichtungen)
  38. mundverzogene Scherzhaftigkeit (Thomas Wolfe, Schau heimwärts, Engel!)
  39. nachtweiter Spiegel (Paul Celan, Sprachgitter)
  40. nassglatt (Anna Seghers, Kopflohn)
  41. naßschlapper Tannenzweig (Gabriele Wohmann, Jetzt und Nie)
  42. plankenstarr (Wolfgang Fleischer, Entwicklungstendenzen der nominalen Wortbildung)
  43. quellwasserhelle Augen (Gabriele Wohmann, Jetzt und Nie)
  44. rattenheimlich (Unruh, Dürsteler, Expressionismus)
  45. rauscherwachte Zecher (Helgeson, Zusammensetzungen)
  46. sahnebonbonsüßer Stolz (Günther Grass, Katz und Maus)
  47. schattenversunkene Welt (Helgeson, Zusammensetzungen)
  48. schiffsbalkengemütlich (Peter Sager, Süd-England)
  49. schlafverschnürte Augen (Thomas Wolfe, Schau heimwärts, Engel!)
  50. schnurschmale Paspel (Zeitschrift Brigitte 22/1979)
  51. schwindelschwach (Gabriele Wohmann, Jetzt und Nie)
  52. sie lachte leisschrill (Gabriele Wohmann, Jetzt und Nie)
  53. sonnenverträumte Vogelscheuche (Peter Huchel, Gedichte)
  54. suppennudeldünnes Kind (Zeitschrift Brigitte, I/9. 1. 1980)
  55. tantenkeusch (Gabriele Wohmann, Jetzt und Nie)
  56. während Lilo in ihrem möwenflaumweißen Strandabendkleid … (Max Frisch, Gantenbein)
  57. weißkäsebleicher Mond (Erwin Strittmatter, Ole Bienkopp)
  58. weltherzdurchglühtes Gestein (Paul Celan, Sprachgitter)
  59. Wie liebesmunter sie sein kann (Max Frisch, Gantenbein)
  60. winterlangweilige Farben (Hellerer, Gedichte) …
  61. zigarettenfingrig (Wolfgang Borchert, Draußen vor der Tür)

Werkstattbericht

Das Beitragsbild stammt aus dem Fundus von Pixabay. Die verwendeten Google Fonts sind BenchNine und PT Sans.

Haiku für jeden Tag – 300 japanische Klassiker für dein achtsames Leben

Drei Zeilen, ein Moment – Haiku fürs Leben

Diese alten Gedichte sind keine musealen Texte, sondern kleine Übungen im Sehen, Fühlen und Staunen. Sie zeigen, wie einfach es ist, wieder da zu sein – im Hier und Jetzt.
Ein Mensch schläft, isst, wartet, lacht. Kein Tempel, keine Erleuchtung, nur Alltag - und gerade darin liegt die Kraft.

Ein Kissen
auf die Bambusblätter –
Sternesehen!

— Takarai Kikaku (1661–1707)

Haiku Buch Illustration

Haiku lehren nichts, sie erinnern. An Ruhe. An Gegenwart. An das, was bleibt, wenn alles andere laut ist.

Eine Kamelie fällt.
Der Hahn kräht.
Noch eine Kamelie fällt.

— Sakurai Baishitsu (1769–1852)

Dieses Buch versammelt über dreihundert klassische Haiku, neu übersetzt für unsere Zeit – als kurze Momente der Klarheit für jeden Tag.

Du musst nichts über Japan wissen. Du musst sie nicht deuten oder analysieren. Schau sie einfach an wie einen Stein im Fluss. Die begleitenden Texte öffnen behutsam den Raum der Gedichte, ohne das Geheimnis zu zerstören.

Auf dem Strohlager –
der Herbstwind bläst
auf meine Fußsohlen.

— Kobayashi Issa (1763–1828)

Haiku von Kobayashi Issa, Yokoi Yayu, Masaoka Shiki, Mirakami Kijo, Tan Taigi und dreiunddreißig weiteren Autoren. Übersetzt und herausgegeben von Lenny Löwenstern

Haiku für jeden Tag

eBook

Amazon KDP — 6,99 €

Taschenbuch (Print)

Überall im guten Buchhandel und in allen Online-Shops.
Sternenvogel Verlagsgesellschaft mbH
Edition Hoshitori
ISBN: 9783911889070
190 Seiten, 14,99 €

Selbst das Klohäuschen
steht offen –
Pflaumenblüte!

— Kobayashi Issa (1763–1828)